3 häufige Fehler nach Bandscheibenvorfall, die du vermeiden solltest

"Ich habe schon alles probiert. Aber irgendwie werden meine Rückenschmerzen nicht besser."

So oder so ähnlich beginnen viele Erstgespräch mit neuen Coachees. Sie erzählen frustriert von ihrer Leidensgeschichte und was sie schon unternommen haben.

Dabei zeigen sich immer wieder dieselben 3 Fehler, welche Betroffene nach Bandscheibenvorfall machen.

Damit dir das nicht passiert, erfährst du in diesem Artikel, welche Fehler das sind.

Viel Spaß beim Lesen!

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel ist nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben und enthält aktuelle Ergebnisse aus der modernen Forschung. Dennoch ersetzen die Inhalte keine ärztliche Beratung, sondern dienen lediglich der Information.

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Der Aufbau der Bandscheibe

Hast du dir schon einmal über die Anatomie deiner Bandscheiben Gedanken gemacht? 

Wenn du dich damit beschäftigst, wird klar: Entgegen der weitläufigen Meinung sind unsere Bandscheiben keine zartbesaiteten Strukturen. Im Gegenteil: Sie halten so einiges aus.

Wusstest du zum Beispiel, dass die Bandscheibe eines durchschnittlichen 28-jährigen etwa 340 kg Druck benötigt, um 1mm zusammengedrückt zu werden? Bei Menschen im Alter von 70 Jahren sind es immerhin noch 210 kg [1].

Für eine einzelne Bandscheibe ist das eine ganze Menge.

Zusätzlich wird der Bandscheibenkern von einem reißfestem äußerem Ring umgeben. Dieser ist aus robustem Kollagen aufgebaut und erinnert von den Eigenschaften an Sehnen. Das Material ist also dafür geeignet, Kräfte auf- und abzugeben.

Zusätzlich sind diese Kollagenfasern konzentrisch, d.h. kreisförmig angeordnet. 

Aufbau Bandscheibe

Dadurch sind die Bandscheiben bestens geeignet, um Rotationskräfte aufzunehmen [2].

Doch ähnlich wie Sehnen reagieren auch die Bandscheiben nicht gut auf diese Krafteinwirkung, wenn sie momentan verletzt sind. Im schlimmsten Fall kann es die Beschwerden sogar schlimmer machen.

Und das führt uns nahtlos zu den 3 häufigen Fehlern nach Bandscheibenvorfall, die du vermeiden solltest.

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Fehler #1: Chiropraktische Maßnahmen

Timon erzählt mir, dass er nach seinem Bandscheibenvorfall beim Chiropraktiker war. Als er früher öfter Rückenbeschwerden hatte, half ihm das immer.

Da dachte er, es könne ihm vielleicht auch bei seinem Bandscheibenvorfall helfen. Der Chiropraktiker sprang auf den Zug auf und versuchte, das ausgetretene Bandscheibenmaterial durch eine Manipulation der Wirbelsäule zurückzudrücken.

Daraufhin antwortete ich Timon mit einem Blick, als hätte ich das erste Auto gesehen...

Denn Fakt ist: Ausgetretenes Bandscheibenmaterial lässt sich nicht einfach zurückdrücken.

Versteh mich nicht falsch: Der Besuch beim Chiropraktiker kann bei unspezifischen Rückenschmerzen helfen.

Doch nach einem Bandscheibenvorfall, sieht die Sache anders aus.

Und wenn wir uns anschauen, was genau bei einer chiropraktischen Manipulation der Wirbelsäule passiert, verstehst du auch, warum.

Denn dabei wird die Wirbelsäule mit einer hohen Geschwindigkeit in eine bestimmte Position -häufig in eine Rotation - manipuliert.

Chiropraktische Maßnahme

Quelle: Boucher et al. (2014): Lumbar disc herniation and cauda equina syndrome following spinal manipulative therapy: a review of six court decisions in Canada. Journal of forensic and legal medicine22, 159-169.

Wichtig zu wissen: Da wird nichts zurechtgerückt oder irgend etwas verrutschtes zurückgedrückt. 

Bei einem akuten Bandscheibenvorfall kann aber folgendes passieren: Der äußere Ring ist gerissen und Material aus dem Bandscheibenkern ausgetreten. 

Weiter oben haben wir gesehen, dass der äußere (teilweise) Ring kreisförmig angeordnet ist. Ist der äußere Ring nun an diesen Stellen gerissen, kann eine schnelle Manipulation der Wirbelsäule diese Wunde stressen.

Das ist vergleichbar mit einer Schnittwunde, an der du ziehen und zerren würdest. Nicht die beste Idee, wenn die Wunde heilen soll, oder? Gute Chiropraktiker wissen das und würden die Finger davon lassen.

Denn wenn das vorher nicht abgeklärt wird, kann das üble Konsequenzen haben.

Dies zeigen Berichte von Betroffenen aus Kanada. Dort hatten mehrere Chiropraktiker Menschen mit Rückenschmerzen behandelt, die danach deutlich schlimmere Symptome als vorher hatten. Teilweise sogar ein Cauda Equina Syndrom.

Das Problem: Leider wurden diese Menschen vorab nicht auf mögliche Symptome eines Bandscheibenvorfalls untersucht. [3]

Denn wenn ein Bandscheibenvorfall auftritt, raten moderne Leitlinie von einer Manipulation der Wirbelsäule ab [4].

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7 Prinzipien einer erfolgreichen Bandscheiben-Reha

  • Tag 1: [Tests] Passen deine Symptome zur Diagnose?
  • Tag 2: [Linderung] Der wichtigste Tipp für weniger Beschwerden
  • Tag 3: [Prognose] Wie gut sind deine Heilungschancen?
  • Tag 4: [Heilung] Diese 3 Phasen musst du kennen
  • Tag 5: [Lügen] Die 5 schlimmsten Falschaussagen, die deine Genesung verhindern
  • Tag 6: [Wissen] Diese Faktoren begünstigen Bandscheibenschäden
  • Tag 7: [Mindset] Konzentrierst du dich auf das Problem oder die Lösung?

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Fehler #2: Zu viel Dehnen

Nach einem Bandscheibenvorfall haben Betroffene morgens oft stärkere Beschwerden und fühlen sich steif im Rücken.

Die Lösung liegt auf der Hand: Kurz ein paar Dehnübungen und das Problem ist gelöst.

Was vielen Betroffenen nicht klar ist: Es kann sein, dass sie ihre Beschwerden genau damit aufrecht erhalten.

Dehnen bei Rückenschmerzen

Der führende Rückenschmerz-Experte Prof. Dr. Stuart McGill beschreibt das Problem verständlich. Zwar fühlt sich der Rücken nach dem Dehnen für eine kurze Zeit entspannter an. Doch nach 20-30 Minuten kehren die Beschwerden oftmals zurück [5].

Das hat zwei mögliche Gründe:

  1. Durch einige Dehnübungen wird der Verletzungsmechanismus ausgelöst. Geschieht dies im Reha-Prozess zu früh und zu regelmäßig, kann dadurch die Wundheilung gestört werden. Die Folge: Der Heilungsprozess wird unnötig in die Länge gezogen[5].
  2. Ist ein Nerv durch einen Bandscheibenvorfall irritiert, reagiert dieser nicht gut auf Dehnübungen. Wird dennoch exzessiv gedehnt, kann dies zu weiteren Schäden des Nervs führen [6].

Versteh mich nicht falsch: Dehnen ist per se nichts schlechtes und bietet viele Vorteile für das körperliche Wohlbefinden.

Doch Dehnübungen sollten nach Bandscheibenvorfall immer angepasst an die Wundheilungsphase ausgeführt werden. 

Das bedeutet z.B., dass in den ersten Wochen nach dem Vorfall keine Dehnübungen gemacht werden, wobei der Rücken stark gebeugt, verdreht oder zur Seite geneigt wird.

Treten darüber hinaus ausstrahlende Beschwerden in einem Bein auf, sollte auf Dehnübungen für den hinteren Oberschenkel vorübergehend verzichtet werden.

Im späteren Reha-Verlauf können die richtigen Dehnübungen wiederum helfen, damit die verletzte Bandscheibe heilen kann.

Wir haben eingangs gesehen, dass die Fasern des äußeren Bandscheibenrings kreisförmig angeordnet sind. Ähnlich wie bei Sehnen reagieren diese Fasern auf Zug.

Indem wir zum richtigen Zeitpunkt in der Reha Zug auf diese Fasern geben, regen wir die Heilung der Bandscheibe an [7,8].

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Fehler #3: Zu lange schonen

Es ist völlig verständlich: Wenn der Rücken schmerzt und die Beschwerden sogar ins Bein ausstrahlen, hast du keine Lust auf Bewegung. Dann willst du dich am liebsten hinlegen und warten, bis es vorbei ist.

Das Problem: Genau das kann deine Beschwerden aufrecht erhalten.

Denn während du auf der Couch liegst und am Handy daddelst, saugen sich deine Bandscheiben mit Flüssigkeit voll.

Die Folge: Der erhöhte Druck in den Bandscheiben kann bereits irritierte Nozizeptoren stimulieren und deine Schmerzwahrnehmung steigern.

Daher empfehlen ALLE internationale Leitlinien MAXIMAL einen Tag Bettruhe [9]. 

Das heißt nicht, dass du ab Tag 2 nach dem Vorfall ganz normal trainieren oder belasten sollst. Vielmehr darfst du versuchen, dich so gut es geht zu bewegen, z.B. mit einem Spaziergang.

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Jetzt bist du dran!

Da du den Artikel bis hierhin gelesen hast, gehe ich davon aus, dass du ernsthaft daran interessiert bist, deine Bandscheibenprobleme loszuwerden.

Leider kursieren viele Mythen und Halbwahrheiten, die dir auf deinem Weg Steine in den Weg legen. Wenn du schon mal etwas probiert hast, du aber nur kurzfristig Erfolge hattest, weißt du, was ich meine...

Darum habe ich die Erkenntnisse aus der modernen Schmerzforschung und die Erfahrungen mit meinen Klienten in einfachen Lektionen zusammengefasst. Diese findest du im kostenfreien 7-Tage-Email-Training. Konkret erwartet dich:

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  • Tag 4: [Heilung] Diese 3 Phasen musst du kennen!
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Bildernachweis:

Titelbild: AdamGregor - canva.com

Bandscheibenmodell: By Jmarchn - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=95036158

Dehnen nach BSV: Daniel_Dash - canva.com

 

Literaturnachweis:

[1] Stemper, B. D., Board, D., Yoganandan, N., & Wolfla, C. E. (2010). Biomechanical properties of human thoracic spine disc segments. Journal of Craniovertebral Junction and Spine1(1), 18.

[2] Tenny, S., & Gillis, C. C. (2017). Annular disc tear.

[3] Boucher, P., & Robidoux, S. (2014). Lumbar disc herniation and cauda equina syndrome following spinal manipulative therapy: a review of six court decisions in Canada. Journal of forensic and legal medicine22, 159-169.

[4] Greitemann, B., Schmidt, R.: S2k-Leitlinie zur Versorgung bei Bandscheibenvorfällen mit radikulärer Symptomatik. Erreichbar unter: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/033-048l_S2k_Konservative-operative_rehabilitative-Versorgung-Bandscheibenvorfall-radikulae_2021-06.pdf Abgerufen am 14.06.2022

[5] McGill, S. (2015). Low back disorders: evidence-based prevention and rehabilitation. Human Kinetics.

[6] Shim, H. Y., Lim, O. K., Bae, K. H., Park, S. M., Lee, J. K., & Park, K. D. (2013). Sciatic nerve injury caused by a stretching exercise in a trained dancer. Annals of rehabilitation medicine37(6), 886.

[7] Adams, M. A., Stefanakis, M., & Dolan, P. (2010). Healing of a painful intervertebral disc should not be confused with reversing disc degeneration: implications for physical therapies for discogenic back pain. Clinical Biomechanics, 25(10), 961-971.

[8]  Abbott, R. D., Howe, A. K., Langevin, H. M., & Iatridis, J. C. (2012). Live free or die: Stretch-induced apoptosis occurs when adaptive reorientation of annulus fibrosus cells is restricted. Biochemical and biophysical research communications, 421(2), 361-366.

[9] Van Tulder, M. W., Koes, B. W., & Bouter, L. M. (1997). Conservative treatment of acute and chronic nonspecific low back pain: a systematic review of randomized controlled trials of the most common interventions. Spine22(18), 2128-2156.


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