McKenzie-Übungen nach Bandscheibenvorfall in der LWS

Susanne beugt sich nach vorn. Ihre Finger kommen kaum bis zu den Knie und die ausstrahlenden Schmerzen schießen in den Fuß.

Dann probieren wir die McKenzie-Übungen nach Bandscheibenvorfall. Nach ein paar Wiederholungen beugt sie sich wieder nach vorn und ist verblüfft, dass sie nun ihre Zehen berühren kann.

Solche Phänomene lassen sich nach Bandscheibenvorfall regelmäßig beobachten. Und das kannst du auch erleben.

Alles was du dafür brauchst, ist deine bevorzugte Bewegungsrichtung. Damit du diese finden kannst, erfährst du in diesem Artikel:

  • Was der McKenzie-Ansatz eigentlich ist,
  • Was das besondere an den McKenzie-Übungen nach Bandscheibenvorfall ist und
  • Wie du deine bevorzugte Bewegungsrichtung findest.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel ist nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben und enthält aktuelle Ergebnisse aus der modernen Forschung. Dennoch ersetzen die Inhalte keine ärztliche Beratung, sondern dienen lediglich der Information.

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Was sind McKenzie-Übungen?

Der McKenzie-Ansatz oder auch Mechanical Diagnosis and Treatment (MDT) ist ein therapeutisches Konzept. Dieses hilft dabei, passende Diagnosen und physiotherapeutische Maßnahmen zu ergreifen.

Es wurde in den 1980ern von Robin Anthony McKenzie entwickelt und ist vor allem durch den Einsatz bei Rückenbeschwerden bekannt. Insbesondere die McKenzie-Übungen nach Bandscheibenvorfall in der LWS erfreuen sich großer Beliebtheit.

Was wenige wissen: Es gibt auch Übungen für Beschwerden in der Halswirbelsäule und den Extremitäten.

Im Vordergrund steht, dem Patienten Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Darüber hinaus stehen nicht die anatomischen Befunde oder MRT-Aufnahmen im Fokus. Denn es konnte immer wieder gezeigt werden, dass MRT-Aufnahmen nicht mit den Symptomen zusammenhängen müssen [1].

Stattdessen steht der Mensch mit seinen Symptomen im Vordergrund. Diese werden in einem Eingangstest bewertet und entsprechend in eine Subgruppe zugeordnet [2].

Dabei gibt es in dem McKenzie-Konzept vier Hauptkategorien:

  1. Derangement: Es gibt keine wirkliche Bewegungseinschränkungen. Jedoch lassen sich die Beschwerden durch wiederholte Bewegungen oder Körperhaltungen beeinflussen. Das Kennzeichen ist eine bevorzugte Bewegungsrichtung. Dabei gehen die Symptome durch wiederholte Bewegungen zurück (siehe nächster Abschnitt). [3]
  2. Dysfunktion: Die Symptome treten als Folge einer strukturellen Bewegungseinschränkungen auf - häufig am Ende der eingeschränkten Bewegung. Das Ziel ist, die Bewegungseinschränkung zu beseitigen und eine normale Gelenkfunktion herzustellen [3].
  3. Körperhaltung: Die Beschwerden treten auf, wenn eine bestimmte Position über einen längeren Zeitraum gehalten wird. Die Probleme lassen nach, wenn die Position verändert wird und es treten keine Schmerzen bei Bewegungen. Hier geht es vor allem um Aufklärung. Bewegungsvielfalt ist der Schlüssel [3].
  4. andere/ nicht-mechanische Ursachen: Es gibt Menschen, die nicht in eine der drei oberen Kategorien passen. Diese zeigen oftmals Symptome von anderen Pathologien wie z.B. spinale Stenose, ISG-Probleme, Beckengürtelschmerz nach Schwangerschaft, inflammatorische Rückenschmerzen usw.

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Was macht die McKenzie-Übungen nach Bandscheibenvorfall besonders?

Das Interessante an den McKenzie-Übungen nach Bandscheibenvorfall ist, dass sie sehr oft in die Kategorie "Derangement" fallen. So konnte eine Untersuchung an der Sheffield Hallam University zeigen, dass 7 von 10 Betroffene ein sogenanntes Zentralisations-Phänomen haben [4].

Zentralisation vs. Peripheralisation

Eine Zentralisation der Symptome ist ein gutes Zeichen.

Wenn dieses Phänomen auftritt, ziehen sich ausstrahlende Schmerzen aus den Beinen in den Rücken zurück. Im Gegensatz dazu strahlt es weiter ins Bein, wenn du eine ungünstige Bewegung ausführst.

Die Idee: Es tritt eine Zentralisation der Symptome auf, wenn du deine bevorzugte Bewegungsrichtung findest.

In vielen Fällen können die Symptome so nicht nur direkt gelindert werden. Das Besondere ist, dass du diese Übungen ohne große Anleitung Zuhause machen kannst. Dies baut Bewegungsängste ab und stärkt das Selbstvertrauen im Umgang mit deiner Diagnose.

Die McKenzie-Übungen nach Bandscheibenvorfall basieren genau auf dieser Idee.

Du probierst verschiedene Bewegungsrichtungen aus und beobachtest, wie sich deine Symptome verändern.

Am häufigsten eignen sich Streckung und Beugung der Lendenwirbelsäule.

Seltener funktioniert aber auch Rotation und Seitneigung.

McKenzie-Übungen nach Bandscheibenvorfall Auswahl

Falls bei dir keine Zentralisation auftreten sollte, ist das nicht schlimm. Dann fällst du in eine der anderen Kategorien und benötigst einen anderen Ansatz. 

Dafür habe ich das kostenfreie Online Seminar "Schmerzfrei nach Bandscheibenvorfall in der LWS" erstellt. Darin erfährst du, wie du typische Fehler vermeidest und Schritt für Schritt deinen Rücken belastbarer machst. Hier kannst du dich kostenfrei anmelden.

McKenzie-Übungen nach Bandscheiben-OP

Nicht nur bei akuten Rückenschmerzen zeigen McKenzie-Übungen positive Effekte.

Eine neue Untersuchung an der University of Medical Science in Iran konnte zeigen, dass Menschen nach einer Bandscheiben-OP schneller schmerzfrei wurden, wenn sie McKenzie-Übungen gemacht haben.

Dazu wurden die Probanden 6 Wochen nach der OP in eine von 3 Gruppen gesteckt. Die erste Gruppe machte die Übung #1 (siehe unten), die zweite Gruppe machte Übung #2 (siehe unten) und die dritte Gruppe bekam keine besonderen Übungen.

Das Ergebnis: Die Probanden in Gruppe 1 machten die besten Fortschritte [5].

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2 einfache McKenzie-Übungen nach Bandscheibenvorfall in der LWS

In dem Konzept gibt es viele McKenzie-Übungen nach Bandscheibenvorfall in der LWS. An dieser Stelle konzentrieren wir uns auf zwei Bewegungsrichtungen, die in der Praxis am häufigsten helfen können. Der Fokus liegt auf Streckung und Beugung.

Wenn du möchtest, kannst du natürlich auch andere Richtungen wie Rotation und Seitneigung ausprobieren. Mach dir aber bewusst, dass zu viel Ausprobieren den unteren Rücken reizen und die Symptome verstärken kann. An der Stelle ist weniger mehr.

Übung #1: Der Prone Press Up

Viele Menschen reagieren nach einem Bandscheibenvorfall empfindlich auf eine Beugung der Lendenwirbelsäule. Darum kann es hilfreich sein, die Wirbelsäule wiederholt in eine Streckung zu bringen. 

Dazu eignet sich die folgende Übung:

Lege dich auf den Bauch und platziere die Hände etwa auf Höhe der Schulter.

Drücke dich nun leicht nach oben, sodass du in ein Hohlkreuz kommst.

Halte die Endposition kurz und kehre dann in Bauchlage zurück.

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Übung #2: Der Supine Back Stretch

Leider reagieren nicht alle Menschen auf Übung #1 positiv. Dann lohnt es sich, eine zweite Bewegungsrichtung auszuprobieren.

Dafür eignet sich die folgende Übung:

Lege dich auf den Rücken. Umgreife die Knie mit beiden Hände.

Ziehe die Knie nun leicht zur Brust, sodass der untere Rücken sanft mobilisiert wird.

Halte die Endposition kurz. Löse dann den Zug und kehre in die Ausgangsposition zurück.

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Was musst du bei den Übungen beachten?

Starte jede der beiden Übungen mit 5 bis 10 Wiederholungen. Dabei können die ersten paar Wiederholungen unangenehm sein. Entscheidender ist, wie es dir nach 10 Wiederholungen geht. Achte vor allem darauf, wie sich deine Symptome verändern und ob eine Zentralisation auftritt. Wenn ja, hast du deine bevorzugte Bewegungsrichtung gefunden. Dann ist es eine gute Idee, regelmäßig über den Tag verteilt (z.B. aller 2 Stunden) 10 Wiederholungen zu machen.

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Jetzt bist du dran!

Da du den Artikel bis hierhin gelesen hast, gehe ich davon aus, dass du ernsthaft daran interessiert bist, deine Bandscheibenprobleme loszuwerden.

Leider kursieren viele Mythen und Halbwahrheiten, die dir auf deinem Weg Steine in den Weg legen. Wenn du schon mal etwas probiert hast, du aber nur kurzfristig Erfolge hattest, weißt du, was ich meine...

Darum habe ich die Erkenntnisse aus der modernen Schmerzforschung und die Erfahrungen mit meinen Klienten in einfachen Lektionen zusammengefasst. Diese findest du im kostenfreien 7-Tage-Email-Training. Konkret erwartet dich:

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  • Tag 2: [Linderung] Der wichtigste Tipp für weniger Beschwerden 
  • Tag 3: [Prognose] Wie gut sind deine Heilungschancen?
  • Tag 4: [Heilung] Diese 3 Phasen musst du kennen!
  • Tag 5: [Lügen] Die 5 schlimmsten Falschaussagen, die deine Genesung verhindern
  • Tag 6: [Wissen] Diese Faktoren begünstigen Bandscheibenschäden
  • Tag 7: [Mindset] Konzentrierst du dich auf das Problem oder die Lösung?

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Über Felix

Meine Name ist Felix Kade und ich arbeite als Personal Trainer in Leipzig, sowie als Dozent für (Reha-)Trainer in ganz Deutschland. Unter anderem bin ich ausgebildet als medizinischer Fitnesstrainer, Reha-Trainer für Orthopädie, Faszientrainer und vieles mehr.
Durch moderne Erkenntnisse aus der Neuro- & Schmerzwissenschaft helfe ich meinen Klienten, den Schmerzkreislauf schneller hinter sich zu lassen und wieder mehr Zeit sowie Energie für die wichtigen Dinge im Leben zu haben.

Bildernachweis:

Titelbild: Creativa Images - canva.com

Zentralisation vs. Peripheralisation: Donelson, R. (2004). Managing low back pain: the initial evaluation: mechanical assessment simplifies the diagnostic process and points to appropriate therapy. The Journal of Musculoskeletal Medicine21(9), 455-462.

Bevorzugte Bewegungsrichtung: Machado, L. A., Maher, C. G., Herbert, R. D., Clare, H., & McAuley, J. H. (2010). The effectiveness of the McKenzie method in addition to first-line care for acute low back pain: a randomized controlled trial. BMC medicine8(1), 1-10.

Quellennachweis:

[1] Brinjikji, W., Luetmer, P. H., Comstock, B., Bresnahan, B. W., Chen, L. E., Deyo, R. A., ... & Jarvik, J. G. (2015). Systematic literature review of imaging features of spinal degeneration in asymptomatic populations. American journal of neuroradiology36(4), 811-816.

[2]Werneke, M. W., & Hart, D. L. (2004). Categorizing patients with occupational low back pain by use of the Quebec Task Force Classification system versus pain pattern classification procedures: discriminant and predictive validity. Physical therapy84(3), 243-254.

[3] May, S., & Donelson, R. (2008). Evidence-informed management of chronic low back pain with the McKenzie method. The Spine Journal8(1), 134-141.

[4] May, S., Runge, N., & Aina, A. (2018). Centralization and directional preference: An updated systematic review with synthesis of previous evidence. Musculoskeletal Science and Practice38, 53-62.

[5]Abdi, A., Bagheri, S. R., Shekarbeigi, Z., Usefvand, S., & Alimohammadi, E. (2022). The effect of repeated flexion-based exercises versus extension-based exercises on the clinical outcomes of patients with lumbar disk herniation surgery: a randomized clinical trial. Neurological Research, 1-13.


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