3 Methoden um nach Bandscheibenvorfall Schmerzen im Bein zu lindern

Hast du nach einem Bandscheibenvorfall Schmerzen im Bein? Dann fragst du dich vielleicht, was du dagegen tun kannst.

Und vielleicht bist du von den vielen Meinungen verwirrt. Der eine sagt, Krafttraining sei schlecht für die Bandscheiben. Der nächste behauptet, Krafttraining sei unverzichtbar. Wieder andere sagen, dass Yoga und Pilates zum Ziel führen.

Die Wahrheit ist: Alles kann helfen. 

Ob dich eine Übung ans Ziel bringt, ist vor allem davon abhängig, welche Bewegungen für dich förderlich sind. Das schauen wir uns weiter unten bei Methode #1 an.

Zusätzlich erfährst du in diesem Artikel:

  • Wie nach einem Bandscheibenvorfall Schmerzen im Bein entstehen
  • Wie lange es dauert, bis die Beschwerden weggehen und
  • 3 Methoden, wie du nach einem Bandscheibenvorfall Schmerzen im Bein lindern kannst.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel ist nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben und enthält aktuelle Ergebnisse aus der modernen Forschung. Dennoch ersetzen die Inhalte keine ärztliche Beratung, sondern dienen lediglich der Information.

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Wie entstehen nach einem Bandscheibenvorfall Schmerzen im Bein?

Du machst eine unachtsame Bewegung mit dem Rücken und plötzlich schießt es dir in die Lendenwirbelsäule. 

In den Stunden danach oder am folgenden Tag strahlt es plötzlich ins Bein aus. 

Der Verdacht liegt nahe: Es handelt sich um einen Bandscheibenvorfall mit ausstrahlenden Schmerzen im Bein.

Aber warum passiert das eigentlich? Häufig findest du eine einfache Erklärung dafür. Das Material der Bandscheibe tritt aus und drückt auf den Nerv. Darum kommt es zu den ausstrahlenden Beschwerden. 

Doch bereits in den 1950ern haben die beiden Ärzte Smyth und Wright festgestellt, dass ein Druck auf die Nervenwurzel nicht ausreicht, um die typischen Symptome auszulösen. Um das zu beweisen, haben sie ein seltsames Experiment unternommen. Sie haben bei Operationen an Bandscheiben sowohl um die betroffene als auch an die benachbarte Nervenwurzel einen Faden gehängt.

Nach der OP hingen die Fäden aus der OP-Naht heraus. Dann konnten sie an den Fäden ziehen und so Druck auf die Nervenwurzeln ausüben. Das spannende: Nicht bei allen Nervenwurzel wurden die ausstrahlenden Beschwerden ausgelöst (Smyth & Wright 1958).

Aber warum ist das so?

Diese Frage konnte in den folgenden Jahrzehnten geklärt werden. Demnach kommt es nach einem Bandscheibenvorfall zu einer starken Immunreaktion.

Das Ziel des Körper ist klar: Durch eine Entzündung werden die Helfer des Immunsystems angelockt. Diese sollen das vorgefallene Material wegräumen und das Wundgebiet säubern. Dabei ist aber das Bandscheibenmaterial selbst entzündungsfördernd (Olmarker et al. 1993).

Diese Entzündung schlägt auf die Nervenwurzel über und sorgt nach einem Bandscheibenvorfall für Schmerzen im Bein.

Taubheit oder ausstrahlende Schmerzen im Bein?

Interessanterweise lassen sich Rückschlüsse ziehen, was genau im Rücken vorgeht. 

Sind ausschließlich Taubheit, Muskelschwäche und/ oder reduzierte Muskelreflexe vorhanden? Dann deutet vieles auf eine reine Kompression hin, d.h. die Bandscheibe drückt auf den Nerv. In diesem Fall spricht man auch von einer Radikulopathie.

Wenn jedoch nach einem Bandscheibenvorfall Schmerzen im Bein vorhanden sind, dann liegt dem wahrscheinlich eine Entzündung zu Grunde. Dann sind die Beschwerden im Bein häufig schlimmer als im Rücken. Betroffene beschreiben dies oft als elektrische Schmerzen, Brennen, Kribbeln oder wie eine Ameisenstraße im Bein. In diesem Fall spricht man von radikulären Schmerzen.

Natürlich können auch beide Beschwerden gleichzeitig auftreten. Dann sprechen von einer schmerzhaften Radikulopathie.

Solltest du diese Symptome bei dir feststellen, zögere nicht und lass dich umgehend von einem Arzt untersuchen!

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7 Prinzipien einer erfolgreichen Bandscheiben-Reha

  • Tag 1: [Tests] Passen deine Symptome zur Diagnose?
  • Tag 2: [Linderung] Der wichtigste Tipp für weniger Beschwerden
  • Tag 3: [Prognose] Wie gut sind deine Heilungschancen?
  • Tag 4: [Heilung] Diese 3 Phasen musst du kennen
  • Tag 5: [Lügen] Die 5 schlimmsten Falschaussagen, die deine Genesung verhindern
  • Tag 6: [Wissen] Diese Faktoren begünstigen Bandscheibenschäden
  • Tag 7: [Mindset] Konzentrierst du dich auf das Problem oder die Lösung?

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Wie lange dauert es, bis nach einem Bandscheibenvorfall Schmerzen im Bein weggehen?

Lass uns direkt ehrlich miteinander sein: Nach einem Bandscheibenvorfall Schmerzen im Bein zu haben ist sehr, sehr unangenehm und beeinträchtigt das Leben sehr.

Nichtdestotrotz: Die Intensität der Schmerzen sagt nur zu einem geringen Teil etwas über die Heilungschancen aus. Die gute Nachricht ist: Nach 12 Wochen haben etwa die Hälfte aller Betroffenen deutlich weniger Beschwerden!

Tatsächlich schaffen etwa 80% aller Betroffenen eine vollständige Heilung nach einem Jahr.

Doch was ist mit dem Rest? 20% der Betroffenen haben auch nach langer Zeit noch leichte  Beschwerden. Bei einigen Menschen wird es sogar gar nicht besser.

Das betrifft vor allem Menschen mit:

  • Schmerzen unterhalb des Knies
  • Schmerzen, die stärker sind als 6 von 10
  • Verlust von Empfindungen in den Beinen
  • Schmerzen, welche die Arbeit und den Alltag einschränken.

Für diese Menschen kann eine Operation die bessere Alternative sein. Dann darf damit nicht zu lange gewartet werden, weil die Besserungschancen nach 6 Monaten auch mit einer OP zurückgehen (Jesson 2020).

Lass dich dahingehend von einem Arzt beraten.

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3 Möglichkeiten, wie du nach einem Bandscheibenvorfall Schmerzen im Bein lindern kannst

Wir haben gesehen, dass nach einem Bandscheibenvorfall Schmerzen im Bein entstehen können. Dies passiert, weil das Bandscheibenmaterial auf den Nerv drückt und die betroffene Stelle entzündet ist.

Wie an anderen Stellen auch benötigt der Körper vor allem Zeit. Nur so kann das Immunsystem die Entzündung auflösen und die sensibilisierten Nerven sind wieder weniger schmerzempfindlich.

Mit den nachfolgenden 3 Methoden kannst du deinen Körper dabei unterstützen.

Methode #1: Der McKenzie-Ansatz 

Der McKenzie-Ansatz wurde in den 1980ern vom neuseeländischen Physiotherapeuten Robin McKenzie entwickelt. Das Ziel: Den Betroffenen mehr Selbstvertrauen geben, wenn sie nach einem Bandscheibenvorfall Schmerzen im Bein haben.

Dabei werden Haltungen und / oder Bewegungsrichtungen gesucht, welche die Beschwerden verbessern. 

Darauf basierend werden die Patienten in Untergruppen eingeteilt und entsprechend anders behandelt.

Stark vereinfacht gesagt wollen wir die Wunde nicht weiter ärgern.

Als Vergleich: Wenn du dich in den Finger schneidest und ständig daran herumkratzt, wird die Wunde deutlich schlechter heilen, oder? Wir wollen dasselbe erreichen. Indem wir entlastende Haltungen und Bewegungen finden, kann der Körper die Wundheilung im Rücken schneller voranbringen.

Wir wollen vor allem die Zentralisierung erreichen. Das ist ein Phänomen, bei dem die Beschwerden von entfernten Körperstellen (z.B. dem Fuß oder der Wade) näher zur Körpermitte wandern (z.B. in den hinteren Oberschenkel oder sogar den Rücken).

Zentralisierung als prognostischer Faktor

Es konnte wiederholt gezeigt werden, dass die Zentralisierung von Beschwerden ein guter prognostischer Faktor ist (May et al. 2018). Es lohnt sich also mit Haltungen und Bewegungen zu experimentieren. 

Methode #2: Strukturiertes Training

Wenn du nach Bandscheibenvorfall Schmerzen im Bein hast und du dich schonen sollst, ist das sowas von veraltet!

Na klar: Wenn es Haltungen und Bewegungen gibt, die dir nicht gut tun, dann vermeide sie für eine gewisse Zeit (nicht für immer!). 

Aber unsere Nerven lieben Bewegung. Dabei gibt es nicht DIE beste Bewegungsform. Viel wichtiger ist es, dass du die Bewegung auch genießt!

Lässt du dann noch die Erkenntnisse aus Methode #1 einfließen, bist du auf dem richtigen Weg.

Tut dir z.B. eine Streckung der Wirbelsäule gut, kann Brustschwimmen eine gute Trainingsform sein. Werden deine Schmerzen im Bein eher von einer Beugung verbessert, dann kann Radfahren eine tolle Alternative sein!

Methode #3: Injektionen in die Wirbelsäule

Ich weiß: Die Vorstellung eine Spritze in den Rücken zu bekommen, kann Angst machen.

Und in letzter Zeit gibt es immer mehr Gegenargumente. Völlig zu unrecht.

Denn gerade wenn du nach einem Bandscheibenvorfall Schmerzen im Bein hast, kann eine Injektion durchaus Abhilfe schaffen. Solche Injektionen sollten aber immer mit einer Bewegungstherapie begleitet werden (siehe auch Leitlinie lumbale Radikulopathie).

Welche Art Injektion für dich die beste ist, kann dir ein fachkundiger Arzt erklären. Wichtig ist, dass du dich dann nicht auf der Spritze ausruhst. Sie dient lediglich als Startschuss für mehr Bewegung. 

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Jetzt bist du dran!

Da du den Artikel bis hierhin gelesen hast, gehe ich davon aus, dass du ernsthaft daran interessiert bist, deine Bandscheibenprobleme loszuwerden.

Leider kursieren viele Mythen und Halbwahrheiten, die dir auf deinem Weg Steine in den Weg legen. Wenn du schon mal etwas probiert hast, du aber nur kurzfristig Erfolge hattest, weißt du, was ich meine...

Darum habe ich die Erkenntnisse aus der modernen Schmerzforschung und die Erfahrungen mit meinen Klienten in einfachen Lektionen zusammengefasst. Diese findest du im kostenfreien 7-Tage-Email-Training. Konkret erwartet dich:

  • Tag 1: [Tests] Passen deine Symptome zur Diagnose?
  • Tag 2: [Linderung] Der wichtigste Tipp für weniger Beschwerden 
  • Tag 3: [Prognose] Wie gut sind deine Heilungschancen?
  • Tag 4: [Heilung] Diese 3 Phasen musst du kennen!
  • Tag 5: [Lügen] Die 5 schlimmsten Falschaussagen, die deine Genesung verhindern
  • Tag 6: [Wissen] Diese Faktoren begünstigen Bandscheibenschäden
  • Tag 7: [Mindset] Konzentrierst du dich auf das Problem oder die Lösung?

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Bildernachweis im Artikel "Nach Bandscheibenvorfall Schmerzen im Bein lindern?"

Titelbild: Getty Images Pro - canva.com

Modellhafte Darstellung Bandscheibenvorfall: Von Ortenau Klinikum - Ortenau Klinikum, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=29293448

Bilder zum McKenzie-Ansatz: May, Stephen et al. (2018): Centralization and directional preference: An updated systematic review with synthesis of previous evidence. In: Musculoskeletal Science and Practice, Volume 38, December 2018, Pages 53 - 62


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