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Bandscheibendegeneration in der LWS: Ursache, Übung & Behandlung

Bandscheibendegeneration in der LWS

Eine Bandscheibendegeneration in der LWS ist eine furchtbare Diagnose.

Für manche bedeutet dies starke Rückenschmerzen. Für andere sogar das Aus der beruflichen Karriere. Entsprechend gehen damit auch viele Ängste und Sorgen einher.

Wird das immer schlimmer werden? Muss ich jetzt für immer mit Rückenschmerzen leben? Was kann ich dagegen unternehmen?

Um dich so gut es geht auf deinem Weg zu unterstützen, erfährst du in diesem Artikel, was du konkret gegen die Bandscheibendegeneration in der LWS machen kannst. 

Außerdem lernst du, wie eine Bandscheibendegeneration genau entsteht und was das für deine Schmerzwahrnehmung bedeutet.

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Was ist eine Bandscheibendegeneration?

Morgens sind wir im Schnitt 2 cm größer als abends. 

Dieses Wunder verdanken wir unseren Bandscheiben.

Nachts saugen sie sich mit nährstoffreicher Flüssigkeit voll.

Tagsüber puffern sie Stöße und Druck ab, machen unsere Wirbelsäule flexibel und werden bei ausreichend Bewegung ordentlich belastet.

Dabei geben sie Flüssigkeit ab. So verlieren sie an Höhe und abends sind wir geschrumpft.

Die Bandscheibe beim Schlafen

Mit fortschreitendem Alter (oder manchmal auch schon in jungen Jahren) kommt es vermehrt zu Abnutzungs- und Verschleißerscheinungen im Bereich der Zwischenwirbelscheiben.

Die Bandscheiben werden dann mit der Zeit dünner und rissiger. Manchmal geht damit auch eine Bandscheibenvorwölbung oder ein Bandscheibenvorfall einher. Das zeigt dir der Arzt dann auch auf dem MRT-Bild.

Oftmals wird dann auch erklärt, die Bandscheiben würden ihre Pufferfunktion verlieren und es komme fortschreitend zu einer degenerativen Instabilität der Wirbelkörper (GIW e.V.).

So solle man dann auch schweres Heben mit rundem Rücken und Tragen vermeiden, weil es die Druckbelastung auf die Bandscheiben erhöhe (Nonnenmacher 2019). Auch langes Sitzen solle den Bandscheiben nicht gut tun.

Ich weiß nicht, wie es dir geht. Aber ich würde bei so einer Beschreibung Angst vor Belastung und entspannten Lümmelhaltungen bekommen. Dabei ist das gar nicht notwendig.

Denn eine Bandscheibendegeneration in der LWS ist das normalste der Welt und tritt auch bei 37% der 20-jährigen oder 80% der 50-jährigen auf, die keine Rückenschmerzen haben (Brinjikji 2015).

Lass dir also keine Angst machen.

Ja: Eine Bandscheibendegeneration kann ein Einflussfaktor für deine Rückenschmerzen sein (ebenfalls Brinjikji 2015 in einer andere Studie). Kann sein. Muss aber nicht.

Du darfst dich vor allem dann intensiver damit auseinandersetzen, wenn neben Rückenschmerzen noch zusätzlich eines der folgenden Symptome auftritt.

Wie schlimm ist deine Bandscheibendegeneration in der LWS wirklich?

In den meisten Fällen ist eine Bandscheibendegeneration in der LWS nicht so schlimm. Hunde die bellen, beißen nicht. Doch es gibt sie: Die Fälle, in denen die Schmerzen ernsthafte Komplikationen mit sich bringen. Wenn du also feststellst, dass die Schmerzen bei dir mit einem der folgenden Symptome auftreten, suche dir bitte einen Arzt oder eine Zweitmeinung von einem anderen Arzt:

  • Taubheitsgefühle in den Beinen und / oder der Leiste,
  • Lähmungserscheinungen,
  • Inkontinenz oder Schwierigkeiten den Stuhl zu halten.

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Ursache einer Bandscheibendegeneration in der LWS

Klassischerweise wird eine Bandscheibendegeneration in der LWS mit einem Wasserverlust begründet.

Dabei kann die Bandscheibe durch Mikrorisse oder "Minifrakturen" im Bereich der Zwischenwirbelscheiben nicht mehr so viel Wasser halten, wird porös und trocknet mit der Zeit aus.

Dadurch verliert sie an Höhe und wird "instabil" (was auch immer das heißen soll).

Infolgedessen bilden sich um die Zwischenwirbelscheiben Knochensporne, um die Instabilität zu vermeiden. 

Aufklärung und Edukation bei unspezifischen Rückenschmerzen

Aufklärung und Edukation ist das wichtigste bei jeder Behandlung.

Fakt ist allerdings: Deine Wirbelsäule ist stabil und robust. Da verrutscht nichts einfach so (Slater et al. 2019). 

Der weltweit führende Rückenschmerz-Experte Dr. Stuart McGill sagt sogar, dass es eine Bandscheibendegeneration eigentlich gar nicht gibt. Was erstmal furchtbar klingt, ist häufig eine Fehldiagnose und ein ganz normaler Alterungsprozess (McGill 2018).

Die Knochensporne sorgen auch dafür, dass die Wirbelsäule mit der Zeit versteift, weniger beweglich ist und weniger schmerzt. Alles ganz normal.

Die Diagnose "Bandscheibendegeneration in der LWS" ist viel mehr so, als würdest du zu einer älteren Frau mit Falten sagen, sie hätte eine degenerative Gesichtserkrankung. 

Dieser ganz normale Alterungsprozess kann zum Beispiel durch eine Erkrankung der Blutgefäße (Kauppila 2009) oder entzündungsfördernde Proteine (Risbud 2013) begünstigt werden.

Genau solche Faktoren wie Entzündungen können auch die eigentliche Ursache für Rückenschmerzen sein (Zhang 2007).

Erinnere dich kurz: Wir haben oben gesehen, dass schon viele 20-jährige eine Degeneration der Bandscheiben haben. Vielleicht hast du sie auch schon viel länger und sie wurde nur gerade jetzt entdeckt, weil du Rückenschmerzen hast.

Und eben weil das so normal ist und nicht unbedingt zusammenhängen muss, wird in modernen Leitlinien zum Thema Rückenschmerz auch keine bildgebende Diagnostik empfohlen.

Was eigentliche Schmerzauslöser sind und was das für dich bedeutet, wenn du Rückenschmerzen loswerden willst - das schauen wir uns als nächstes an.

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Die Bandscheibe als Schmerzauslöser?

Ob die Bandscheibe nun der direkte Schmerzauslöser ist oder nicht, wird in Fachkreisen angezweifelt. Moderne Ansätze gehen davon aus, dass die Schmerzen durch eine Kombination aus körperlichen, psychologischen und sozialen Faktoren entstehen.

Wir nennen dies das bio-psycho-soziale Modell.

Du kannst dir das wie einen Eimer vorstellen. In diesen Eimer kommen alle möglichen Stressoren deines Lebens:

  • die Bandscheibendegeneration in der LWS,
  • Stress auf Arbeit,
  • Schlafmangel,
  • ungesunde Ernährung
  • Bewegungsmangel, und, und, und...
Fehler bei Rückenschmerzen Ganzheitlichkeit

Das kann individuell sehr verschieden sein. Sobald der gesamte Stress zu viel wird, läuft der Eimer über und du spürst Schmerzen.

In diesem Sinne verstehen wir Schmerz mittlerweile wie ein Frühwarnsystem. Dein Körper möchte dir sagen: "Hey Kumpel, da läuft gerade was schief. Pass auf dich auf und mach bitte etwas anders!"

Dann kann es sein, dass der Schmerzauslöser tatsächlich eine Bandscheibendegeneration in der LWS ist. Oder eben auch nicht, weil andere Faktoren die eigentlichen Stressoren sind (​Butler, Moseley 2016).

Darum empfehlen aktuelle Leitlinien auch, zunächst kein MRT oder CT machen zu lassen.

Prof. Dr. Stuart McGills Ansatz stimmt damit überein und befürwortet eine individuelle Schmerzanalyse. Dabei wird unter anderem herausgefunden, welche Haltungen und Belastungen bei dir Schmerzen auslösen und welche nicht. Das kann zum Beispiel so aussehen.

Seated Compression Test

Setze dich aufrecht auf einen Stuhl. Greife mit den Händen unter den Stuhl und ziehe dich in den Stuhl hinein. Dabei wird deine Wirbelsäule gestaucht. Löst das Schmerzen aus? Dann ist Stauchung ein Schmerzauslöser. Du merkst das zum Beispiel beim Husten oder Niesen. 

Nichts passiert? Dann wiederhole den Test mit einem starken Hohlkreuz und einem runden Rücken. Wie sieht es da aus? Macht eine der Haltungen Probleme? Dann darfst du da genauer nachschauen und kannst schon erste Rückschlüsse ziehen.

Macht beispielsweise die Hohlkreuz-Haltung Probleme, darfst du zunächst darauf achten, diese Körperhaltung zu vermeiden, bis sich dein Schmerzeimer mehr geleert hat. Ebenso beim Rundrücken. Wenn er dein Schmerzauslöser war, darfst du die Haltung zunächst vermeiden, bis dein Schmerzeimer leerer ist.

Wie eine ausführliche und individuelle Schmerzanalyse abläuft und welche Konsequenzen die Ergebnisse für deinen Alltag, lernst du in der "Schmerzanalyse bei Rückenschmerzen". Hier erfährst du mehr dazu.

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Übungen gegen eine Bandscheibendegeneration in der LWS

Um eine Bandscheibendegeneration in der LWS nicht dein Leben bestimmen zu lassen, ist Bewegung unerlässlich. Dabei geht es darum, den Rumpf möglichst rückenschonend zu kräftigen.

Damit fallen Übungen raus, welche ​deine Schmerzen auslösen. Du stocherst ja auch nicht in einer blutenden Wunde herum.

Ebenso sind starke Verdrehungen der Lendenwirbelsäule vorerst tabu. Genauso sind Dehnübungen ungeeignet (McGill 2015).

Nachfolgend lernst du drei Übungen gegen eine Bandscheibendegeneration kennen, die du auf jeden Fall ausführen kannst.

Übung #1: Der Curl-Up

Der Curl-Up ist eine geniale Abwandlung des Crunches für die gerade Bauchmuskulatur.

Lege dich dazu auf den Rücken und lege beide Hände unter die Lendenwirbelsäule.

Ein Bein ist aufgestellt, das andere gestreckt abgelegt.

Sollten deine Rückenprobleme zusätzlich in ein Bein ausstrahlen, probiere aus, welche Position für die problemlos funktioniert.

Das wird dann zunächst deine Übungsposition.

Hebe nun leicht mit den Ellenbogen vom Boden ab. Mache ein Doppelkinn und hebe den Kopf sowie die Schulter etwas vom Boden ab. Nur so viel, dass du spürst, wie deine Bauchmuskulatur zu arbeiten beginnt.

Halte die Position einen Augenblick, bevor du dich wieder ablegst. Wiederhole die Bewegung für 6 bis 10 Durchgänge.

Übung #2: Der Seitstütz

Der Seitstütz ist nicht nur wunderbar dafür geeignet, die seitliche Rumpfmuskulatur zu kräftigen.

Darüber hinaus trainiert er die wichtige Hüftmuskulatur und den Latissimus Dorsi. Alle genannten Muskeln sind dafür zuständig, den unteren Rücken zu stabilisieren.

Positioniere dazu den Ellenbogen genau unter der Schulter und die Füße voreinander.

Den oberen Fuß vor dem unteren Fuß.

Hebe nun das Becken an, bis du von Kopf bis Fuß eine gerade Linie bist.

Halte die Position für 10 Sekunden. Dann darfst du eine kurze Pause machen.

Mache eine kurze Pause und gehe anschließend direkt in die nächste Wiederholungen. Führe zunächst 5-6 Wiederholungen auf einer Seite aus. Dann wechselst du auf die andere Seite.

Übung #3: Der Bird-Dog

Der Zweifüßlerstand - manchmal auch Bird-Dog genannt - ist eine fantastische Übung, um den unteren Rücken und die wichtigen Multifidii zu kräftigen, ohne die Wirbelsäule Kompressionen oder Scherkräften auszusetzen.

Starte dazu im Vierfüßlerstand.

Achte darauf, die Wirbelsäule in einer neutralen Position zu fixieren.

Hebe nun einen Arm und das gegenüberliegende Bein an. Nur so weit, wie sich der Rücken nicht verdreht. (Die meisten heben das Bein zu weit an!).

Halte die Position für einen Augenblick. Dann Seitenwechsel. Starte mit 10 bis 15 Wiederholungen pro Seite.

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Behandlung einer Bandscheibendegeneration in der LWS

In den meisten Quellen zum Thema Bandscheibendegeneration in der LWS findet man den Hinweis, dass Belastung durch Tragen oder Beugen die Schmerzen verschlimmern würde. 

Dem gegenüber steht ein krasses Beispiel von Brian Carroll. Dieser ist einer der besten Powerlifter, der je gelebt hat. Das heißt, er bewegte regelmäßig sehr schwere Gewichte. Bis er sich eine der schlimmsten Verletzungen am Rücken zuzog, die man sich vorstellen kann. Ein gespaltenes Steißbein.

Heute lebt er schmerzfrei und bewegt nach wie vor schwere Gewichte. Geholfen hat ihm dabei Geduld und das richtige Maß an Belastung.

Hier klicken für die komplette Geschichte von Brian Carroll.

Etwas für immer wegzulassen, nur weil es momentan Schmerzen auslöst, kann nicht die Lösung sein. Dies fördert nur Bewegungsängste, was Schmerzen nachweislich verstärkt (Swinkels-Meewisse 2006) und die Gesetze von Wolff und Davis missachtet.

Ja: Zu Beginn kann es eine gute Idee sein, Belastungen zunächst zu meiden, welche Schmerzen auslösen. So kann sich dein Schmerzeimer leeren und dein Rücken regenerieren.

Doch sobald die Akutphase vorbei ist, steht Belastung auf dem Programm. Diese darf deine individuellen Fähigkeiten zur Regeneration und Belastung berücksichtigen. So kann sich dein Rücken nach und nach an die Belastung anpassen und wird wieder belastbarer.

Vielleicht sogar mehr als vor der ersten Schmerzepisode.

Zusätzlich betrachtet eine ganzheitliche Behandlung auch andere Einflussfaktoren wie:

  • Schlafmangel: Schlafmangel ist ein riesiger Schmerztreiber. Denn im Schlaf regeneriert unser Körper. Schlafen wir zu wenig oder schlecht, fühlen wir uns leichter reizbar. Die Folge: Dein Eimer ist schneller voll, weil du mit den Stressoren des Alltags schlechter umgehen kannst.
  • Soziale Faktoren: Unzufriedenheit am Arbeitsplatz oder sozialer Rückzug sind als große Einflussfaktoren bekannt. Aber auch wie andere mit dir umgehen. Kennst du Sprüche wie: "Wenn das jetzt schon so bei dir aussieht, wie soll es dann in 10, 20 Jahren sein?" Auch sowas sind soziale Faktoren, die Ängste schüren und deine Schmerzen beeinflussen.
  • Psychische Faktoren: Wie gehst du mit den Schmerzen um? Akzeptierst du sie als Chance? Oder katastrophisierst du? Hast du Angst, dass dein Leben für immer davon beeinträchtigt werden wird? All das hat einen Einfluss auf deine Schmerzwahrnehmung.
  • Generelle Gesundheit: Wie ernährst du dich? Wie viel Bewegung gönnst du dir allgemein? Rauchst du? Wie sieht es mit Alkohol aus? Diabetes? Bluthochdruck? All das sind Faktoren, welche deinen Eimer füllen oder leeren können.
  • Umgebung: Fühlst du dich wohl Zuhause? Oder herrscht dort Chaos und Unordnung? Wie sieht dein Umfeld aus? Es gibt Experten, die erfragen das Klima, wo die Patienten wohnen. Weil Hitze uns bspw. reizbarer macht. Auch solche Faktoren haben einen Einfluss.
  • Augen und Gleichgewicht: Die Funktion unserer Augen und des Gleichgewichtsorgans hängt neuronal direkt mit unserer Wirbelsäule zusammen. Eine Dysfunktion in einem der beiden Systeme kann also einen Einfluss auf deine Rückenbeschwerden haben.

All diese Dinge können bei Schmerzen durch eine Bandscheibendegeneration in der LWS eine Rolle spielen. Und das tolle ist: Du musst nicht alles auf einmal machen. Du darfst mit den Dingen beginnen, die für dich von Bedeutung sind und deinen Schmerzeimer leeren. 

Viele Anregungen dafür erhältst du in der Rückenschmerzformel. Hier erfährst du mehr dazu.

Die Prognose einer Bandscheibendegeneration in der LWS

Die gute Nachricht zum Schluss: Die Prognose bei einer Bandscheibendegeneration in der LWS sieht sehr gut aus. 

Über die Jahre versteift die Wirbelsäule immer mehr, bis die einzelnen betroffenen Wirbelsegmente miteinander verwachsen. Zu diesem Zeitpunkt lassen die Symptome in den meisten Fällen nach.

Der einzige Wehrmutstropfen: Wenn du noch jung bist, musst du vielleicht noch eine ganze Weile darauf warten 😉 .

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Jetzt bist du dran!

Da du den Artikel bis hierhin gelesen hast, gehe ich davon aus, dass du ernsthaft daran interessiert bist, etwas gegen deine Bandscheibendegeneration in der LWS zu unternehmen.

Falls das auf dich zutrifft, dann wirst du davon profitieren, die vorgestellten Übungen umzusetzen, deine persönlichen Schmerzauslöser kennenzulernen und daran zu arbeiten.

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Bildernachweis im Artikel "Bandscheibendegeneration in der LWS":

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